BRAIN Biotech AG

BRAIN kassiert für Pharvaris-Erfolg

Der HAE-Wirkstoff Deucrictibant, der ursprünglich aus der Wirkstoffforschung von AnalytiCon Discovery stammt, entwickelt sich für BRAIN Biotech zu einem lukrativen Asset. Nach positiven Phase-III-Daten von Pharvaris erhält BRAIN nun 11,51 Mio. Euro von Royalty Pharma. Weitere Millionen könnten folgen.

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Für BRAIN Biotech zahlt sich eine alte Wirkstoffwette aus: Das Unternehmen erhält eine Meilensteinzahlung von 11,51 Mio. Euro von Royalty Pharma. Auslöser sind die erfolgreichen Phase-III-Daten für Deucrictibant, den Pharvaris zur Behandlung des hereditären Angioödems (HAE) entwickelt.

Vor langer Zeit in Potsdam…

Der Wirkstoff hat dabei einen entscheidenden Entwicklungsschritt gemacht. In der CHAPTER-3-Studie reduzierte die einmal täglich einzunehmende Retardform Deucrictibant XR die HAE-Attacken um 83 Prozent gegenüber Placebo. Bei Patienten mit dem häufigeren HAE-Typ 1 oder 2 lag die Reduktion bei 87 Prozent. Damit bewegt sich die orale Therapie bei der Wirksamkeit in der Größenordnung etablierter injizierbarer Prophylaxen.

Für BRAIN ist das besonders interessant, weil die Geschichte des Wirkstoffs weit zurückreicht. Deucrictibant wurde ursprünglich von AnalytiCon Discovery in Potsdam identifiziert – dem Unternehmen, das inzwischen zu BRAIN Biotech gehört. 2016 lizenzierte Pharvaris den Wirkstoff und übernahm die weitere klinische Entwicklung. BRAIN konnte damit wissenschaftliches Know-how in eine Beteiligung am späteren Pharmaerfolg überführen, ohne selbst die kostspielige klinische Entwicklung finanzieren zu müssen.

Auch Pharvaris hat inzwischen einen erheblichen Wertzuwachs aus dem Programm generiert. Das Schweizer Unternehmen hat sich auf HAE-Therapien spezialisiert und verfolgt mit Deucrictibant eine Doppelstrategie: Die Retardform soll HAE-Attacken vorbeugen, während eine schnell freisetzende Form zur Behandlung akuter Attacken entwickelt wird. Für Letztere läuft in den USA bereits das Zulassungsverfahren; eine FDA-Entscheidung wird für April 2027 erwartet.

Meilensteinzahlung um die Ecke, Royalty-Deal wird wertvoller

Noch 2024 hatte BRAIN seine künftigen Einnahmen aus dem Pharvaris-Programm teilweise an Royalty Pharma monetarisiert. Dafür erhielt BRAIN zunächst 18,41 Mio. Euro. Nun kommt die aktuelle Meilensteinzahlung hinzu. Durch die positiven klinischen Daten steigt nach Einschätzung von BRAIN zugleich die Wahrscheinlichkeit weiterer Zahlungen deutlich.

Konkret stehen von Royalty Pharma noch bis zu 4,6 Mio. Euro an regulatorischen und bis zu 92,05 Mio. Euro an kommerziellen Meilensteinen im Raum. Zusätzlich sind weitere regulatorische Zahlungen von Pharvaris möglich.

Für BRAIN kommt der Geldfluss zu einem strategisch passenden Zeitpunkt. Das Unternehmen will sein Kerngeschäft vorantreiben und die eigenen Aktivitäten stärker auf die industrielle Biotechnologie und Spezialenzyme konzentrieren. Der Pharvaris-Erfolg liefert dafür einen ungewöhnlich großen finanziellen Hebel aus einem inzwischen weitgehend extern entwickelten Pharma-Asset.

In den Büchern: rätselhafte Umbewertung

Allerdings schlägt der gestiegene Wert des Programms zunächst auch bilanziell durch: Wegen der höheren Erfolgsaussichten muss BRAIN die Verbindlichkeiten aus der Royalty-Pharma-Vereinbarung nach IFRS 9 neu bewerten. Daraus kann im Geschäftsjahr 2025/26 ein einmaliger, nicht zahlungswirksamer Aufwand von bis zu 28 Mio. Euro entstehen. Über die Laufzeit der Vereinbarung sollen sich diese Effekte wieder ausgleichen.

BRAIN rechnet unterdessen weiterhin mit einem bereinigten Konzern-EBITDA etwa auf Break-even-Niveau im laufenden Geschäftsjahr. Gerade die möglichen weiteren Zahlungen aus dem Deal mit Royalty, bei weiterem Erfolg von Pharvaris, geben dem hessischen Unternehmen aber so etwas wie den Blick frei auf rosige Zeiten.

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